Energie-Aktionen gegen das langweilige Leben

by Detlef Beeker

Das Leben kann aufregend und dramatisch sein, aber manchmal ganz schön langweilig. Langeweile entzieht uns Energie und kann sogar Stress verursachen. Arbeitswissenschaftler sprechen dann vom Bore-Out-Syndrom. Das Leben ist kurz und es wäre schade, wenn wir es mit Langeweile verbringen. Denn dagegen kann man ganz leicht etwas tun. Hier kommen Energie-Aktionen ins Spiel:

Hagen hatte einen langen Tag. Er kam aus seinem Büro. Es war schon Abend. Er ächzte: „Oh, ich habe Kopfschmerzen. Es war so viel los in der Arbeit. Ich möchte nur noch auf das Sofa und fernsehen.“ Seine Frau entgegnete: „Papperlapapp! Hey, lass uns tanzen gehen! Was meinst du?“ Hagen ist ein leidenschaftlicher Tänzer. Sofort strahlten seine Augen, sein Körper straffte sich: „Ja, gute Idee!“ Hagen fühlte sich plötzlich gar nicht mehr müde, sondern voller Energie.

Kennst du das auch? Es gibt Aktivitäten, die uns einfach Spaß machen und Energie geben. Oft haben wir diese Aktionen schon in unser Leben integriert: Hagen bspw. ging bis zu 3 Mal wöchentlich tanzen. Es können kleine Aktionen sein, wie ein Waldspaziergang oder auch größere, wie ein Fallschirmsprung.

Oft machen Aktionen Spaß, bei denen wir unsere Komfortzone überwinden müssen. Die Komfortzone ist der Bereich, in dem wir uns sicher fühlen, in dem keine Gefahr droht. Zum Beispiel das Sofa zu Hause oder die Arbeit, die wir schon seit Jahren machen. Wenn wir abends nach der Arbeit zu Hause bleiben und uns Fernsehserien ansehen. Das ist die Komfortzone. Hier ist es bequem. Wir haben keine Herausforderungen. An sich ist die Komfortzone nichts Schlechtes. Bleiben wir allerdings zu lange in unserer Komfortzone, so geht unsere Freude verloren. Die vibrierende Leichtigkeit des Lebens hat in der Komfortzone keinen Platz. Stattdessen finden wir dort den Alltagstrott, Pflichten, Langeweile und Bequemlichkeit. Warum verlassen wir nicht öfters unsere Komfortzone? Dafür gibt es 2 Gründe: Ängste und Bequemlichkeit.

Marc hat herausgefunden, dass ihm Singen Spaß macht. Er hat sich bereits eine Sing-Gruppe ausgesucht. Bei dem Gedanken dort hinzugehen wurde er nervös: „Ich kenne die Leute da gar nicht. Was ist, wenn mich da keiner beachtet? Singen kann ich eigentlich auch nicht besonders gut. Ich blamiere mich sicher!“ Die Unruhe wurde größer. Beinahe wäre Marc nicht hingegangen. Er tat es aber doch. Und tatsächlich, der Abend war toll und bereitete ihm große Freude.

Meistens ist es so: Die Komfortzone verlassen macht Spaß. Ich selbst habe 2014 ein ganzes Komfortzonen-Stretch-Jahr eingelegt. Für das ganze Jahr galt die Regel:

„Wenn ich etwas gerne machen würde, aber Bequemlichkeit oder Ängste dagegen sprechen, mache ich es trotzdem.“

Das Jahr 2014 war sehr produktiv und abenteuerlich. Ich bin 2 Mal nach Thailand geflogen, obwohl Langstreckenflüge immer ein Greul für mich waren. Ich war in kalten Seen schwimmen, ritt auf Elefanten, besuchte Selbsterfahrungskurse, bestaunte buddhistische Tempel, fuhr Motorrad und lernte meine jetzige Frau kennen. Also Vorsicht: Komfort-Stretch-Jahre können dein Leben auf den Kopf stellen.

An sich ist die Komfortzone nichts Schlechtes. Dort sind wir in Sicherheit und können uns regenerieren. Ein Problem entsteht nur, wenn wir zu viel Zeit dort verbringen. Wir sollten also unsere Komfortzone regelmäßig verlassen. Das hat eine Reihe von Vorteilen:

  1. Mehr Energie: Aktionen zu starten, die eine Herausforderung sind, ist aufregend. Das macht Spaß, wir gewinnen viel Energie.
  2. Freiheit: Je mehr wir unsere Komfortzone erweitern, desto freier sind wir. Marc bspw. hat jetzt die Freiheit, zur Sing-Gruppe zu gehen.
  3. Spaß und Freude: Außerhalb der Komfortzone wartet das Abenteuer auf uns. Es bedeutet Abwechslung und Spaß.
  4. Mehr Selbstvertrauen: Wenn wir unsere Komfortzone regelmäßig verlassen, wächst unser Vertrauen in uns selbst. Wir lernen, dass wir stärker sind als unsere Ängste und Bequemlichkeit.
  5. Wachstums-Mindset: Das ist ein großer Vorteil. Wir lernen mit der Zeit, Hindernisse als Herausforderung zu sehen.
  6. Selbsterkenntnis: Wir lernen uns besser kennen. Wir erkennen, welche Ängste wir haben. Die Komfortzone zu verlassen zwingt uns, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen.
  7. Du entwickelst Mut: Du kannst deine Komfortzone nur dann verlassen, wenn du dich deinen kleinen und großen Ängsten stellst. Indem du das tust, wirst du mutiger.
  8. Du entwickelst Selbstdisziplin: Wir bleiben in der Komfortzone entweder aus Angst oder aus Bequemlichkeit. Wenn wir diese regelmäßig überwinden, werden unsere Disziplin und Willenskraft gestärkt.

Ich hoffe, ich konnte dich überzeugen. Die Komfortzone zu verlassen muss nicht immer bedeuten, dass wir Fallschirmspringen müssen. Nein, es können Kleinigkeiten sein, wie zum Beispiel, mit deinem Kind zu spielen, wenn du es zuvor nicht gemacht hast. Es kann eine kalte Dusche am Morgen sein. Im Folgenden ein paar Anregungen:

  • Bade in einem kalten See.
  • Nimm eine kalte Dusche.
  • Besuche einen Salsa-Schnupperkurs.
  • Fahre an einem kalten Tag ans Meer und lass dir den Wind um die Ohren pfeifen.
  • Stehe morgens früh auf und gehe joggen.
  • Lächle fremde Leute an.
  • Besuche einen neuen Fitness-Kurs, den du schon immer mal ausprobieren wolltest. Lach über dich selbst, wenn du schlecht gelaunt bist.
  • Ruf deine Mutter an, um ihr zu sagen, wie sehr du sie liebst.
  • Kauf eine Flasche Pustefix, leg dich mit einem Freund ins Gras und puste Seifenblasen, während du über deine schönsten Kindheitserinnerungen redest.
  • Schlendere die ganze Nacht durch die Stadt und finde einen Platz zum Frühstücken im Morgengrauen.
  • Besuche einen Kurs, der dich schon immer interessiert hat.
  • Frage eine Person nach einem Date, die deiner Meinung nach außerhalb deiner Liga liegt.
  • Schau dir Improvisationen an (oder, wenn du ein echter Teufelskerl bist, melde dich für einen Kurs an.... die meisten bieten die erste Stunde kostenlos an).
  • Trainiere für ein physisches Ereignis, wie einen Halb-Marathon.
  • Verhalte dich wie ein Kind für einen Tag – mit Fingern malen, Bücher ausmalen oder in den Zoo gehen.

Diese Liste sind nur Anregungen. Gefällt dir etwas davon? Vorsicht, das ist eine Fangfrage. Falls ja: Tue es! Aber überfordere dich nicht: Wenn du dich in Höhen nicht komfortabel fühlst, solltest du nicht direkt einen Fallschirmsprung machen. Dann würdest du dich nämlich sofort in der Frustrationszone befinden. Du würdest dich überfordern. Es ist besser, kleine Schritte zu machen, die dich aus der Komfortzone heraus in die Energiezone bringen.

„Hab keine Angst vor deinen Ängsten. Sie sind nicht da, um dich zu erschrecken. Sie sind da, um dich wissen zu lassen, dass es etwas wert ist.“ — C. JoyBell C.

Energie-Aktionen

Ziel: Freude und Energie

Aktionsplan

  1. Bestandsaufnahme: Wie sieht dein aktuelles Leben aus? Bist du in deiner Komfortzone? Gibt es bereits Aktivitäten, die dir Spaß und Freude bereiten? Spielst du vielleicht Tennis oder nimmst an einem Selbstverteidigungskurs teil?

Schätze dein Leben ein. Bist du eher in der Komfortzone oder hast du eine Menge Aktivitäten, die dich begeistern und dir Energie schenken?

0 = Ich bin völlig in meiner Komfortzone.

10 = Ich führe ein Leben, das mich begeistert. Ich befinde mich oft in der Energiezone.

Wo würdest du dich ganz spontan einordnen?

Wenn du 7 oder höher bist: Gratulation! Ich beglückwünsche dich zu deinem Leben! Mach weiter so. Vielleicht kannst du die Aktivitäten, die dir Freude und Energie geben, weiter ausbauen.

  1. Ideen sammeln: Hast du weniger als 7 Punkte, so solltest du mehr Aktionen in dein Leben bringen, die dir Energie und Freude bereiten. Die Aktionen, die dir bereits Spaß machen, solltest du beibehalten und ausbauen. Beantworte dafür folgende Fragen:
  • Was kannst du tun, ohne dass du merkst, wie die Zeit vergeht? Diese Frage weist auf Aktionen hin, die dich in einen Flow bringen.
  • Welche Aktivitäten machen dir Spaß, geben dir Befriedung und Energie, und begeistern dich? Suche Aktionen, die dich begeistern und dir Freude bereiten.
  • Was tut dir einfach nur gut? Hier geht es um Wohlfühl-Aktivitäten, wie zum Beispiel eine Massage.

Mache eine Liste. Sei dabei ganz frei und ohne innere Kritik. Schreibe einfach drauf los. Es können ganz einfache Dinge sein, wie dass du gerne mit deinen Freunden ein Bier trinkst. Es können aber auch spektakuläre Aktionen sein. Meine Mutter hat sich im Alter von 78 Jahren noch einen Heißluftballonflug gegönnt. Sie wollte das immer schon tun, hatte aber erst mit 78 die Gelegenheit dazu. Schreibe einfach alles auf, was dir einfällt, ohne dabei daran zu denken, ob es überhaupt zu verwirklichen ist. Lasse dich nicht von Bedenken einschränken, sondern folge deinem Herzen.

  1. Liste kürzen: Nun ist sicher ein bunter Strauß zusammengekommen. Kürze die Liste auf 5 – 10 Aktivitäten, die dein Herz besonders hochschlagen lassen oder die du besonders angenehm findest. Vielen geht es so, dass sie sich bereits beim Verfassen dieser Liste voller Energie fühlen. Ist das bei dir auch so?
  2. Ganz praktisch: Nun überlege, wie du die Aktivitäten in dein Leben bringst. Hier geht es um ganz praktische Erwägungen.

Ein Klient, Felix, hatte folgende Liste erstellt:

  • In den Tennisverein gehen.
  • Massage.
  • Alleine eine Rucksackreise durch Südamerika für mehrere Monate machen.
  • Einen Tantra-Kurs machen.
  • Einer Sing-Gruppe beitreten.
  • Frauen, die er besonders attraktiv findet, ansprechen.
  • Zu seinem Geburtsort reisen. Dort in dem See baden, in dem er häufig als Kind mit seiner Familie gebadet hatte.
  • Mit Freunden zusammen Rennradfahren.
  • Zu Hause alleine zu seiner Lieblingsmusik tanzen.
  • Im Wald spazieren gehen.

Einige dieser Aktivitäten sind einfach zu verwirklichen, andere schwieriger. Die Rucksackreise nach Südamerika ist wohl das schwierigste, denn so viel Urlaub bekommt Felix nicht. Aber er machte sich sofort an die Verwirklichung seines Ziels. Seine Augen leuchteten. Er suchte sich besonders schöne Orte aus, plante die Finanzierung und machte sich Gedanken, wie er mehrere Monate frei bekommen könne. Allein die Beschäftigung mit diesem Traum erfüllte ihn mit Energie.

Die anderen Aktivitäten waren einfacher in sein Leben zu bringen. Eine Woche später fuhr er zu seinem Geburtsort und badete im See. „Er sieht noch immer so aus wie vor 20 Jahren!“, schwärmte er, "es war toll und hat mich sehr berührt.”

Diese Übung ist schnell getan und kann dir viel Energie schenken. Wichtig ist, dass du dein Leben immer mehr mit Aktionen füllst, die dir Freude schenken. Es muss nicht immer etwas Besonderes sein. Ein Waldspaziergang, spielen mit deinem Kind, zu Hause zu deiner Lieblingsmusik tanzen. Hauptsache, es macht dich glücklich.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel dich inspiriert. Wie immer gilt: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!"

 

Leben beginnt am Ende Deiner Komfortzone (1)

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