Macht Geld glücklich?

by Detlef Beeker

Macht Geld glücklich?

Wie hängt Einkommen und Glück zusammen? In der Glücksforschung gibt es etliche Studien zu diesem Thema. Das Problem: Die Ergebnisse sind unterschiedlich und sogar widersprüchlich. Folgende Abbildung zeigt diesen Zusammenhang.

glueck-einkommen

  • Grundsätzlich zeigt obige Abbildung einen Zusammenhang: Je höher das Einkommen ist, desto höher das Glück.
  • Es gibt allerdings einen Einkommenswert (gestrichelte Linie) ab dem das Glück trotz Einkommensanstieg kaum noch ansteigt.
  • Easterlin-These: Wie der Wert ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Der Ökonom Easterlin hat im Jahr 1974 eine Studie veröffentlicht, die dies zum Thema hatte. In den darauffolgenden Jahren, seine aktuellste Studie stammt aus dem Jahr 2010, hat Easterlin immer wieder zu diesem Thema geforscht. Seine These: Sind grundlegende Bedürfnisse gesichert, so steigt das Glück kaum noch an.
  • Ländervergleich: Schauen wir uns das für ganze Ländern an: Reiche Länder sind glücklicher als arme Länder. Hat ein Land ein gewisses Pro-Kopf-Einkommen erreicht, so steigt das Glück kaum an. Dieses Pro-Kopf-Einkommen liegt nach diesen Ländervergleichen bei 10.000 USD. Das ist erstaunlich wenig, deckt sich aber in etwa mit der Easterlin-These. Es spielen allerdings noch andere Faktoren eine Rolle: Reichere Länder haben tendenziell stabilere Demokratien als ärmere Länder. Und: je höher das Einkommen, desto besser die Gesundheit. Diese beiden Faktoren erhöhen ebenfalls das Glück. Das bedeutet, der Zusammenhang ist wahrscheinlich noch schwächer. Es gab langfristige Studien, die auch kulturelle Unterschiede berücksichtigten. Das Ergebnis: Eine zehnprozentige Einkommenszunahme führte nur zu einer Glückssteigerung von 0,0003 Punkten auf einer Skala von 1 bis 10. Das ist sehr wenig (Frey, B, / Frey Marti, C., Position 30% ff.).
  • Deaton/Kahneman-Studie: Für Aufsehen gesorgt hat eine breit angelegte Studie von Deaton und Kahneman. Beide Forscher sind Nobelpreisträger. Sie befragten in den Jahren 2008 und 2009 450.000 Amerikaner. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass das Glück bis zu dem Wert von 75.000 USD zunimmt. Dann bleibt es nahezu gleich, egal wie stark das Einkommen weiter ansteigt.

Sie sehen, die Ergebnisse sind uneinheitlich über den genauen Wert, aber immerhin kommen die Glücksforscher zu einem ähnlichen Ergebnis über den Verlauf.

Lotto-Millionäre und die hedonistische Anpassung

Es gab etliche Studien darüber, wie sich das Glück und die Zufriedenheit von Lotto-Millionären entwickelte. Die Ergebnisse waren ähnlich und sind erstaunlich: Der Lotto-Gewinn lässt die Zufriedenheit nach oben schießen. Aber nach etwa sechs Monaten ist das Glück auf dem gleichen Niveau wie vorher. Es gab sogar Studien, wie die von Andrew Oswald von der britischen Warwick University, die zeigten, dass Lotto-Millionäre sogar unglücklicher werden. Warum ist das so?

  • Unglückliche Entscheidungen: Oftmals ändern Lotto-Millionäre ihr Leben, aber leider nicht zum Guten. Einfache Aktivitäten, die aber Freude machten, wie mit guten Freunden in einen Pub zu gehen, wurden eingeschränkt. Es kam auch vor, dass Lotto-Millionäre in der Wahl ihrer Ehepartner unglückliche Entscheidungen trafen. Sie heirateten Partner, die eher am Geld interessiert waren: Die Ehen wurden unglücklicher.
  • Hedonistische Anpassung: Wir Menschen gewöhnen uns schnell an etwas. Kaufen wir einen tollen, neuen Wagen, so hat dies erst einmal einen positiven Effekt auf unser Glück. Wir freuen uns, wenn wir mit dem Auto fahren. Allerdings schon nach kurzer Zeit gewöhnen wir uns daran. Das Glücksniveau sinkt auf den Wert vor dem Auto-Kauf herab. Kennen Sie das auch? Das geschieht ebenfalls bei Lotto-Millionären. Das neue, teure Haus sorgt nur für kurze Zeit für mehr Glück, danach ist alles beim alten. Dies nennen die Glücksforscher: Hedonistische Anpassung. Übrigens ist diese Anpassung nicht nur auf positive Ereignisse beschränkt. Studien mit Querschnittsgelähmten haben gezeigt, dass diese nach etwa einem Jahr genauso zufrieden wie vor dem Umfall sind. Ein erstaunliches Ergebnis. Es zeigt, wie anpassungsfähig wir Menschen sind.

Diese beiden Effekte können dazu führen, dass Lotto-Millionäre tatsächlich durch einen Millionen-Gewinn unglücklich werden. Wenn Sie sich also ein Los kaufen ist also das Beste was Ihnen passieren kann, dass Sie nicht gewinnen.

Intertemporale Betrachtungen: Glück und Einkommen über lange Zeiträume

In Deutschland ist zwischen den Jahren 1970 und 2000 das Pro-Kopf-Einkommen um mehr als das Doppelte gestiegen. Allerdings ist das Glück bzw. die Zufriedenheit gleich geblieben. Dieses erstaunliche Ergebnis trifft ebenfalls auf andere Industrienationen zu. Ein bemerkenswertes Phänomen. Woran mag das liegen:

  • Hedonistische Anpassung: Auch hier ist sie wieder im Spiel. Ich selbst kann mich noch gut an die Zeit erinnern als es nur schwarz-weiß-Fernseher gab und drei Programme. Die unzähligen Programme in Farbe heutzutage sind trotzdem für mich ganz normal. Sie lösen bei mir kein Glückgefühl aus oder erhöhen meine Zufriedenheit – ich habe mich hedonistisch angepasst.
  • Soziale Vergleiche: Unser Glück ist davon abhängig, wie es meinem Nachbarn geht. Fahre ich beispielsweise einen Golf und alle meine Nachbarn einen Kleinwagen bin ich zufriedener als wenn alle meine Nachbarn einen dicken Mercedes fahren. Genauso ist mit dem Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens: Dadurch, dass alle reicher wurden, hat sich meine individuelle Zufriedenheit nicht geändert.

Das letzte Wort: Der Zufriedenheitskreis nach Lyubomirsky

Was sollen wir davon halten? Was ist das Fazit? Macht Geld nun gar nicht glücklich? Abschließend möchte ich noch den ein Ergebnis der amerikanischen Glücksforscherin Sonja Lyubormirsky vorstellen. Sie hat im einer groß angelegten Metastudie die Determinanten des Glücks untersucht. Heraus kam folgendes Ergebnis:

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Aus diesem Diagramm lässt sich folgendes ablesen:

  • Gene: 50 % unseres Glücks ist von unseren Genen abhängig. Dies haben umfangreiche Zwillingsstudien ergeben. Wir kommen also mit diesem Glücksniveau zur Welt.
  • Äußere Umstände: 10 % sind durch äußere Umstände bestimmt, wie beispielsweise unser Einkommen. Hier geht Lyubormirsky allerdings von einer Einkommenssituation aus, die ok ist. Das heißt, ist eine Familie beispielsweise arm, so hätte eine Einkommenssteigerung von beispielsweise 1000 € einen größeren Effekt auf die Zufriedenheit als nur 10 %. Haben wir aber eine durchschnittlich wohlhabende Familie, so spielen äußere Faktoren tatsächlich eine recht untergeordnete Rolle.
  • Bewusste Verhaltensweisen: Sie machen 40 % aus. Damit sind u. a. folgende Faktoren gemeint: ausgeprägter Freundeskreis, regelmäßig Sport oder Dankbarkeit und Optimismus. Lyubormirsky hat dies als gute Nachricht aufgefasst, da diese Faktoren bewusst gesteuert werden können. Möchten Sie dankbarere sein? Führen Sie ein Dankbarkeitstagebuch. Möchten Sie zufriedener sein? Machen Sie mehr Sport, meditieren Sie und schaffen Sie sich einen guten Freundeskreis an.
  • Lyubormirsky hat dieses Diagramm übrigens auf Unterschiede im Glück bezogen. Das heißt beispielsweise, wenn Ihr Nachbar glücklicher als Sie ist, so ist das nur zu 10 % auf äußere Umstände zurückzuführen.

In unserer Gesellschaft wird stark propagiert, ein hohes Einkommen zu erwirtschaften. Nach der Glücksforschung macht dies aber nicht unbedingt glücklich. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich. Aber alles deutet darauf hin, dass Geld nicht automatisch glücklich macht. Haben wir ein einigermaßen ordentliches Einkommen, so reicht das aus. Ab dann wäre es klüger, wenn wir unsere Energie in andere Faktoren stecken, wie Meditation, Sport oder andere bewusste Verhaltensweisen. Dies erhöht unser Glück mehr.

Quelle Bild: <a href=’http://www.freepik.com/free-photo/rear-view-of-businessman-in-a-paper-boat_932408.htm’>Designed by Freepik</a>

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