Stress-Aikido: Verwandele Stress in Deinen Freund

by Detlef Beeker

Ein Freund von mir macht Aikido. Karl sagte eines Tages zu mir: "Hey, Detlef, schlag mich!" Sie müssen wissen, ich bin eher einer der friedfertigen Gesellen und boxe Freunde nicht einfach so. Er ließ nicht locker: "Schlag mich! Ich kann Aikido, mir passiert nichts - echt!" Also schlug ich ihn - ich versuchte es zu mindestens. Bevor ich es versah, lag ich auf der Nase. Ich ächzte. Karl grinste mich an: "Aikido nutzt die Energie Deines Angriffs zur Verteidigung."

Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen eine Technik vorstelle, die genau dieses Prinzip nutzt? Wenn Sie Stress haben wird viel Energie freigesetzt. Warum? Weil sich unser Körper auf Fliehen, Kämpfen oder Erstarren vorbereitet. Dies wird Stressreaktion genannt. Diese Energie können wir mit der Technik "Leg-den-Schalter-um!" nutzen.

Die Idee hinter dieser Technik verdeutlicht folgendes Zitat:

"Es ist die Linse, durch die unser Gehirn die Welt sieht, die unsere Realität gestaltet."
Shawn Achor

Unsere Sichtweise oder unser Mindset ist entscheidend, wie wir eine Situation handhaben. Sehen wir ein Problem als Problem, so ist es eins. Sehen wir dagegen als Herausforderung, so gehen wir anders damit um.

Benjamin arbeite in einer Unternehmensberatung. Es war Freitag Abends, gerade wollte er nach Hause gehen, als sein Chef hereinkam: "Ben, es tut mir leid, wir haben noch einen Auftrag hereinbekommen. Es ist ein Notfall. Schaffst Du das bis morgen?". Mit diesen Worten lud der Chef einen Stapel Papiere auf Bens Schreibtisch. Ben erklärte: "Wow! Das wird eine Herausforderung! Her damit!" Dann breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus und er machte sich an die Arbeit.

Unnötig zu sagen, dass Ben nie unter Stress litt. Er erklärte alles einfach zu einer Herausforderung und machte sich an die Arbeit. Ein vermeintlich negatives Ereignis als Herausforderung oder als Gelegenheit umzudeuten, hat etwas sehr kraftvolles. Im NLP wird dies Refraiming genannt.

Die Leg-den-Schalter-um!-Technik kanalisiert die Stressenergie in etwas Positives. Sie ist eine enorm wirkungsvolle Technik, um eine Situation zu transformieren. Sie verwandelt Stress in Energie und Stärke.[1]

Leg den Schalter um!

Ziel: Stress in Kraft und Energie umwandeln

Technik:

  1. Akzeptieren Sie, dass ein Problem da ist: Erkennen Sie die Realität an, dass ein Problem da ist. Sagen Sie zu sich: „Ok, ich habe ein Problem, aber ich werde dieses Problem nutzen, um stärker zu werden!“ Wir verleugnen gerne unsere Probleme, und zwar so lange, bis sie so groß werden, dass sie nicht mehr verleugnet werden können. Deswegen akzeptieren Sie möglichst früh, dass ein Problem da ist. Sei es, dass Sie die Arbeit überfordert oder dass der Haushalt mit zwei Kindern zu viel ist.
  2. Fragen Sie sich die Schalter-Umlege-Frage: Wie kann ich diesen Stress oder Situation nutzen, um meine Umstände zu verbessern und mich stärker zu machen - heute, in dieser Minute, in dieser Sekunde?
  3. Machen Sie das Gegenteil: Ziehen Sie in Betracht, das Gegenteil von dem zu unternehmen, was Leute normalerweise in ähnlichen Situationen tun würden. Wenn Sie den Schalter umlegen, stellen Sie die Situation auf den Kopf: Sie verwandeln schlechtes in Gutes, Leid in Stärke.
  4. Wie fühlt es sich an? Achten Sie darauf, wie es sich anfühlt, wenn Sie sich entscheiden, den Schalter umzulegen: Den Schalter umzulegen ist ein Reframing der Situation. Dies ist ein Begriff aus dem NLP. Sie deuten die Situation positiv um. Sie werden sich energiereicher und motivierter fühlen. Hoffnung und Optimismus werden wachsen. Das gibt Ihnen mehr Selbstvertrauen. Sie werden klarer denken können.

Wie oft? Wie lange? Immer wenn eine stressige Situation auftaucht, können Sie den Schalter umlegen. Das kann einmal pro Woche sein oder einmal alle zehn Sekunden.

Vertiefende Hinweise:

  • Der Schalter ist immer da: Seien Sie sich bewusst, dass der Schalter tatsächlich immer da ist. Sie können ihn jederzeit umlegen. Der Schalter ist eine neue Sichtweise, die Ihnen Kraft gibt und die Stress-Situation als Herausforderung sieht.
  • Sie müssen nicht immer alle Schritte durchführen: Der zweite Schritt ist der entscheidende! Fragen Sie sich die „Schalter-Umlege-Frage“. Wenn Sie gerade wenig Zeit haben oder sehr oft mit der Technik arbeiten, so machen Sie nur den zweiten Schritt – das reicht aus! Der Kern ist, dass Sie die Situation anders sehen und sich fragen, wie Sie den Schalter umlegen können.

Die Technik ist einfach, trotzdem äußerst wirkungsvoll. Probieren Sie es aus.

[1] Moore (2017): The Resiliance Breakthrough: 27 Tools for Turning Aversity into Action.

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