Dein persönlicher Weg zum Glück

von Christin Prizelius

Wir Menschen streben alle seit jeher nach einem zufriedenen und glücklichen Leben, aber die wenigsten können sagen, was Glück eigentlich genau ist und noch weniger können wirklich benennen, was sie selbst im Herzen tatsächlich erfüllt und glücklich macht – also das eigene subjektive Wohlbefinden fördert. Dabei ist genau das der entscheidende Ansatz: selber hinzuschauen, zu fühlen! Und das macht das Glück zu etwas sehr Persönlichem! Es machen nicht alle Menschen dieselben Dinge glücklich. Erst recht nichts Materielles – zumindest nicht lange. Schon die Amerikaner haben das besagte „Streben nach Glück“ in ihrer Unabhängigkeitserklärung als individuelles Grundrecht verankert und daraus lässt sich ableiten, dass jeder selbst für sein Wohlbefinden und sein Glück verantwortlich ist. Aber schauen wir genauer hin.

Suche den Weg in dir – und nicht im Außen

Wenn wir uns auf die Suche nach unserem persönlichen Glück machen, finden wir viel Literatur, Impulse und Inspirationen – wir sind eingeladen, immer mehr zu konsumieren, damit sich der gewünschte Glückszustand einstellt. Der Trugschluss: genau das Gegenteil ist meistens der Fall. Es wurde herausgefunden, dass konsumorientierte Menschen, die über sehr stark ausgeprägte materielle Werte verfügen, ein weniger erfülltes und glückliches Leben führen. Ohne Frage zählt das Bedürfnis nach Sicherheit zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen. Aber sobald diese erfüllt sind, tragen Geld und materielle Dinge nur noch wenig zu unserem Glück und Wohlbefinden bei. In Deutschland steigt das Glücksempfingen der Menschen bei einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro nicht weiter an. Das gilt auch für eine Gehaltserhöhung, eine Beförderung oder einen neuen Firmenwagen. Wir müssen bei uns und tiefer in unserem Inneren schauen.

Mit mehr Achtsamkeit zum Glück

Betrachten wir stattdessen, was uns glücklich macht und unser Glück fördert. Zunächst einmal ist zu berücksichtigen, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter in der Lage ist, neue neuronale Verbindungen und Verknüpfungen herzustellen. Wissenschaftler sprechen hier von der Gehirnplastizität. Worauf wir den Fokus lenken und was wir hauptsächlich denken, nehmen wir vermehrt wahr. Wir können uns also darauf “trainieren“, das Positive zu sehen, zu fühlen und glücklich zu sein. Ein Stichwort ist hier die Achtsamkeit! Achtsamkeitsübungen werden als Schlüssel zum Glück angesehen. Wenn wir achtsamer durch unser Leben gehen und die Dinge bewusst schätzen und dankbar dafür sind, werden wir mehr von diesen Situationen anziehen und sie wahrnehmen – weil unser Gehirn darauf „neu“ programmiert ist. Ein Schritt für mehr Achtsamkeit wäre zu schauen, welche Gedanken man den Tag über hat und welche Gefühle damit verbunden sind. So erkennen wir, wie wir denken und fühlen und üben uns darin, den Fokus auf all das zu legen, was wir uns wünschen und in unserem Leben haben wollen. Am besten reserviert man sich dafür kleine Zeitfenster nur für sich, Momente der Ruhe und des Alleinseins, um seinen Gedanken, Wünschen, Zielen und Visionen auf den Grund zu kommen und führt beispielsweise ein Dankbarkeitstagebuch.

Es gibt keine dauerhaften Glückszustände

Dann ist es wichtig zu bedenken, dass es einfach keine dauerhaften Glückszustände gibt. Niemand ist immer glücklich. Aber das sollte auch nicht das Ziel sein. Wir alle haben mal schlechte Zeiten, aber entscheidend ist es, dass wir uns auf etwas fokussieren, was unserem Leben einen übergeordneten Sinn gibt, unsere Träume leben und uns mit Menschen umgeben, die wir lieben und die uns gut tun. Wir brauchen unsere eigene Strategie, die uns immer wieder aufbaut und nach vorne schauen lässt. Auch das lässt uns bei uns selber bleiben. Machen wir uns außerdem frei von inneren Bedingungssätzen wie „Wenn erst xy, dann…“ und leben bewusst im Hier und Jetzt, sehen die kleinen Wunder, die uns täglich umgeben. Sei es die Blume am Wegesrand oder der Schmetterling, der sich neben uns niederlässt. Das Leben ist voller Wunder! Sie zu sehen und zu schätzen, sorgt für Glücksmomente. Außerdem kann das Führen eines Glückstagebuches Glückszustände hervorrufen und mit der Zeit wie ein kleines Schatzkästchen werden, das man sich immer dann zur Hand nimmt, wenn man das kleine Glück sucht. So schult man sich ganz unbewusst darauf, im Alltag mehr das Positive wahrzunehmen und glücklicher zu sein.

Wie wir jetzt unser persönliches Glück finden - kleine Glückstipps für den Alltag

Wenn man es von anderen Menschen erwartet, einen glücklich zu machen, wird es schwierig. Es liegt eigenverantwortlich an jedem selbst, herauszufinden, was einen glücklich macht und was es dafür braucht. Das Leben lädt uns jeden Tag aufs Neue dazu ein.

  1. Betrachte deine Glücksfaktoren

Man weiß inzwischen, dass unser Glück unter anderem von Faktoren abhängt wie Gesundheit, guten sozialen Beziehungen, Autonomie, Selbstbestimmtheit, dem Erreichen persönlicher Ziele sowie Freiheit oder beruflich einer Tätigkeit nachgehen zu können, in der man seine Stärken, Talente und Fähigkeiten bewusst einsetzen kann. Aber selbstverständlich tragen auch unser genetisches Erbe zu unserem Glücksempfinden sowie unsere Erfahrungen im Leben allgemein dazu bei. All das beeinflusst physisch und psychisch wiederum unsere Gesundheit. Wir stärken unser Immunsystem, fühlen uns besser oder sind einfach kreativer. All das fördert im Ergebnis unser Glück.

  1. Starte mit positiven Gedanken in den Tag

Eine Möglichkeit, sein Glücksempfinden positiv zu beeinflussen, ist zunächst den Tag wirklich positiv und mit angenehmen Gedanken und Gefühlen zu beginnen. Wir alle kennen diese Negativspirale, wenn morgens zu spät der Wecker klingelt, man sich bereits beim Aufstehen stößt oder den Kaffee verschüttet. Stattdessen: Dankbar sein, dass man die Welt mit all seinen Sinnen wahrnehmen kann. Wir Menschen haben um die 60.000 Gedanken am Tag, wobei die meisten in unbewussten Programmierungen ablaufen. Ein bewusstes Lenken auf die positiven Dinge programmiert unser Gehirn entsprechend und wir nehmen vermehrt Positives wahr.

Auch Glaubenssätze, die wir mitunter seit der Kindheit manifestiert haben, spiegeln sich in unseren Lebensumständen wieder, die wiederum unsere Denkmuster verstärken: „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich bin nicht liebenswert“. Einmal enttarnt, kann man sie in positive, selbstbejahende Aussagesätze, die sogenannten Affirmationen, wandeln: „Ich bin gut genug genau so wie ich bin!“ oder „Ich bin liebenswert!“. All das fördert positive Gedanken und Gefühle am Tag und im Ergebnis unser Glück.

  1. Lächeln und auf die Körperhaltung achten

Dinge, Menschen, Situationen gehen mit uns in Resonanz. Alles ist Energie. Vielleicht hast du auch schon mal von dem Zitat gehört: „Wie innen, so außen“. Das Gute ist, dass unser Gehirn beispielsweise nicht unterscheiden kann, ob wir uns etwas nur vorstellen oder es tatsächlich durchführen. Wir können uns so quasi selbst überlisten, denn man kann nicht zeitgleich traurig und glücklich sein. Und wenn wir lächeln, fühlen wir uns automatisch besser – einfach mal ausprobieren! Es gibt ebenfalls Studien dazu, wie sich beispielsweise die Körperhaltung auf unser Glücksempfinden auswirkt. Mit hängenden Schultern signalisieren wir uns selbst, dass es uns nicht gut geht. Eine gerade und aufrechte Körperhaltung hingegen signalisiert Offenheit und Selbstbewusstsein. Darauf reagiert sowohl unser Gehirn als auch die Außenwelt. Man wird automatisch positiver mit uns kommunizieren – das Stichwort ist hier „Spiegelneuronen“ als Resonanzsystem in unserem Gehirn. Auch das ist ein Kreislauf, den wir somit positiv beeinflussen können. Man wird uns so begegnen, wie wir im Außen unterwegs sind.

  1. Entwickle neue Rituale und Gewohnheiten

Ich behaupte, dass wir uns viel zu selten bewusst machen, dass wir wirklich 24 Stunden am Tag mit uns zusammen sind und alles an und in uns eine Einheit ist. Mein Tipp: Übe dich darin, häufiger einen Schritt zur Seite zu machen und zu schauen, was du brauchst, damit es dir gut geht. Reserviere dir kleine „Dates mit dir selbst“ fest dafür in deinem Kalender. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern fördert auch unser Glücksempfinden. Außerdem können wir das mit neuen positiven Ritualen und Gewohnheiten verbinden. Wir alle wissen, dass zu einer ganzheitlichen Gesundheit und subjektivem Wohlbefinden viel Bewegung, ausreichend Schlaf und frische Luft sowie Entspannung (unter anderem bewusste Atemübungen), eine gute Ernährung und viel Wasser trinken gehören. Das alles zur Routine zu machen, wie man ja beispielsweise auch ganz selbstverständlich die Körperhygiene betreibt, kann ebenfalls das Glücksempfinden fördern.

  1. Umgib dich mit positiven Menschen

Und dann sind wir alle soziale Wesen. Wir Menschen sind seit Urzeiten in Gemeinschaften unterwegs und brauchen es, in einen sozialen Kontext eingebunden zu sein. Das hat evolutionär gesehen unser Überleben gesichert. Auch wenn diese äußeren Gegebenheiten sich zwar verändert haben und wir nicht mehr gemeinsam gegen die Säbelzahntiger kämpfen, sitzen unsere genetisch bedingten Muster noch tief in uns.

Wir brauchen andere Menschen, um uns geborgen zu fühlen und glücklich zu sein. Der Umgang mit positiv denkenden Menschen unterstützt den Fokus auf all das Positive, was uns umgibt. Wir sind dankbarer und schätzen all die Dinge, die uns zu häufig als zu selbstverständlich erscheinen. Vermeiden wir hingegen alle Energieräuber, die uns Kraft nehmen und an uns zehren. Lachen wir mehr miteinander, erinnern uns gemeinsam an schöne Erlebnisse in der Vergangenheit, schauen zusammen auf Pläne in der Zukunft – und zelebrieren so unser Glück.

  1. Stärken und Werte leben und Sinn erkennen

In Zeiten von ständigem Optimierungswahn und dem Streben von „Messbarem“, steigenden Fluktuations- sowie Burnout- und Depressionsraten liegt es auch eigenverantwortlich an uns, uns unserer eigenen Stärken und Werte im Leben bewusst zu werden. Statt schneller, höher, größer weiter und immer mehr leisten in immer weniger Zeit…: Ankommen bei sich und seinem inneren Kern. Wer bin ich? Was macht mich aus? Lebe ich das Leben nach meinen Vorstellungen? Was verschafft mir Sinn im Leben? UND was macht MICH im Herzen GLÜCKLICH? Auch Entschleunigung führt zu mehr innerer Ruhe und fördert diesen Prozess. Jede Anspannung braucht eine Entspannung. Alles im Leben braucht eine Balance. Träume, visualisiere, male dir dein Bild von der Wunschzukunft – auch das macht glücklich!

Was wir im Ergebnis nun daraus lernen können

Glücklich zu sein ist etwas, was wir selbst beeinflussen und trainieren können. Viel hängt von unserer inneren Einstellung ab. Fakt ist, dass es zu einem sehr großen Teil an uns selbst liegt, wie glücklich wir uns fühlen und wie viel Lebenszufriedenheit wir empfinden. Viele Menschen erleben Krisen, haben schwere Krankheiten, den Job oder einen lieben Menschen verloren. Wir können den Umgang damit aber aktiv beeinflussen und eine bewusste Entscheidung treffen, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Hören wir mehr in uns hinein, was uns zufrieden und glücklich macht. Ist es die bewusste Zeit in der Natur, in Meeresnähe, im Wald, die Momente mit der Familie, Augenblicke mit den Haustieren, sind es unsere Hobbys, unsere ehrenamtlichen Tätigkeiten?! Jeder ist eingeladen, in der Fülle des Lebens zu schauen, was einem gut tut, Kraft gibt und einen nährt. Reflektionsfragen für ein glückliches Leben könnten sein: Was macht mich persönlich nun wirklich glücklich? Lebe und fördere ich das bewusst - beziehungsweise gebe ich dem genug Raum in meinem Leben und wenn nicht, wie kann ich das positiv verändern? Und: nichts ist statisch! Wir haben es selbst in der Hand – in jedem Augenblick.

Zum Abschluss eine kleine Übung für dich:

Visualisiere dein Glück und übe dich in Dankbarkeit

  1. Zunächst planst du dir bitte für die nächste Zeit am Tag jeweils 15 Minuten Zeit nur für dich ein. Am besten trägst du dir diese Viertelstunde wirklich fest in deinen Kalender ein, denn Regelmäßigkeit fördert hier das Glücksempfinden, und oft machen wir sonst leider bei uns selbst die meisten Abstriche: „Wenn erst… dann…“. Und wenn wir uns nun bewusst Zeit für uns selber nehmen, fördert das nicht nur unser Wohlbefinden, sondern ganz nebenbei auch unser Selbstwertgefühl.
  2. Begleitend schaffst du dir außerdem bitte ein kleines Notiz- oder Tagebuch an und machst diese Übung schriftlich. Sie bekommt für unser Gehirn nochmal eine andere Bedeutung, wenn wir unsere Gedanken und Gefühle dazu aufschreiben. Auch das nebenbei „ins Handy tippen“ sollte man vermeiden.
  3. Als Nächstes schließt du bitte die Augen und stellst dir die Situationen, Momente und Augenblicke vor, die dich so richtig glücklich machen oder gemacht haben, dir gut tun und einfach rundum zufrieden machen. Welche Ziele hast du außerdem und wo siehst du dich in einem Jahr? Lebst du deine Stärken, Talente, Werte, Fähigkeiten? Was macht dir Spaß und Freude? Mit welchen Menschen umgibst du dich gerne? Erlebe diese Minuten ganz bewusst und intensiv mit allen Sinnen. Wie fühlt sich das an, was schmeckst, hörst, siehst, riechst du? Anschließend hältst du deine Ergebnisse wie in einem Tagebuch für dich fest.
  4. Erkenne dabei auch, welche gedanklichen „Störfaktoren“, Glaubenssätze und Denkmuster dabei auftreten. Kommen da innere Kritiker zu Wort wie „Das geht doch nicht!“, „Ich habe es nicht verdient!“ et cetera? Schreibe auch diese auf und prüfe sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin. Formuliere diese Sätze später bewusst ins Positive. Diese sagst du dir dann regelmäßig immer wieder: „Ich bin gut genug, so wie ich bin!“, „Ich bin liebenswert“, usw.
  5. Mit diesen positiven Gedanken und Gefühlen entlässt du dich wieder in den Alltag und setzt dabei selber kleine Anker, durch die du dich immer daran erinnerst. Ein kleiner Stein oder ein Zettel in der Jacken- oder Handtasche, durch die du dich an deine Glücksmomente zurückerinnerst. So trainierst du dich automatisch auf positive Gefühle und wirst immer mehr davon wahrnehmen und dankbar dafür sein. Halte bitte diese Dankbarkeitsmomente ebenfalls in deinem Buch fest – auch diese steigern unser Glücksempfinden. So fördern wir Achtsamkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zwei wesentliche Elemente für den Weg zu unserem persönlichen Glück…

Zur Autorin:

Christin Prizelius ist Wirtschaftspsychologin mit Studium der Rechtswissenschaften sowie Zertifikaten der Harvard University School of Public Health in „Health and Society“ und der University of California, Berkeley/USA in „The Science of Happiness“.

Sie ist außerdem Trainerin und Coach bei der Zeitschrift Emotion und hat als Social ePreneur ein eigenes Online Institut für Feel Good Management und Positive Psychologie gegründet. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und Menschen in einer immer komplexer und hektischer werdenden Zeit bei ihrer persönlichen Feel Good Transformation auf dem Weg zu mehr Gesundheit, Zufriedenheit und Glück zu unterstützen und sich ganzheitlich ein Leben in Kraft und Fülle zu gestalten.

Als Co-Founder und Chefredakteurin tut sie das neben ihren Coaching- und Onlineangeboten in Kooperation auch in Form des eMagazins „Pure & Positive“ und mit Online – KollegInnen über CoachingHerz - eine Business Community, die Coaches, Beratern und Trainern dabei hilft, durch einfache und wirkungsvolle Schritte mehr Sichtbarkeit, Bekanntheit und neue Kunden mit ihrem wertebasierten Business zu gewinnen. Aktuell plant sie gemeinsam mit KollegInnen den 1. Digitalen Glücksgipfel anlässlich des Weltglückstags am 20. März 2020.

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