Weihnachtsfalle #2: die einfache Lösung

„Wenn wir unsere Erwartungen verringern werden wir Zufriedenheit erfahren.“ – Dalai Lama

Wäre Weihnachten nicht schön, wenn wir nicht so hohe Erwartungen hätten? Weihnachten muss perfekt sein! Alle müssen gut gelaunt sein, es darf kein Streit oder ein lautes Wort geben, das Essen muss deliziös schmecken und alle müssen die Köchin in höchsten Tönen loben. Jeder der eingeladen ist, muss natürlich pünktlich sein und auch das Essen steht pünktlich auf dem Tisch. Die Kinder sind nicht laut, sie freuen sich über jedes Geschenk und alles ist voller Liebe und Sonnenschein.

So oder so ähnlich stellen wir uns ein ideales Weihnachten vor. Leider wird es niemals so stattfinden. In der Geschichte der Menschheit gab es noch nie solch ein Weihnachtsfest. Seit mehr als 2000 Jahren, sind Weihnachtsfeste nicht perfekt. Warum? Es sind einfach zu viele Menschen beteiligt. Das kann einfach nicht gut gehen.

Die Realität sieht immer anders aus, als wir es uns vorstellen. Gäste kommen zu spät, es wird gestritten, Kinder mäkeln an ihren Geschenken herum und das Essen ist an einer Ecke verkohlt. Der Onkel hat mal wieder zu viel Weihnachtswein getrunken, einen roten Kopf und beschimpft die Spakos (das ist entweder die Regierung oder seine Nachbarn).

Hohe Erwartungen machen uns das Leben schwer. Gerade wenn wir das Weihnachtsfest ausrichten, haben wir an uns selbst und alle Teilnehmer unrealistisch hohe Erwartungen: Alles muss perfekt sein: Das artet mit Sicherheit in Stress aus. Und noch schlimmer: unsere hohen Erwartungen lassen unser Herz eng werden. Wir sind dann unfreundlich zu unseren Liebsten, weil sie nicht pünktlich sind, zu laut reden, den Tisch nicht rechtzeitig abräumen oder nicht artig sind. Dabei ist Weihnachten doch das Fest der Liebe und Toleranz. Wir sollten mit dem Leben fließen und uns an diesem chaotischen Augen- und Ohrenschmaus erfreuen.

Ajahn Brahm

Deswegen möchte ich dir die 70 % Regel des buddhistischen Mönchs Ajahn Brahm vorstellen. Ich bin ein großer Fan. Ajahn hat einige Bücher geschrieben, die mich sehr berührt haben. In seinem Buch: „Der Elefant, der seinem Glück vergaß“ beschreibt er folgende kleine Geschichte:

AM BESTEN 70 PROZENT

Bevor ich (Ajahn Brahm) Mönch wurde, war ich Lehrer an einer britischen Highschool. Und eines kann ich Ihnen versichern: Das Unterrichten von Teenagern ist so stressig, dass jede Lehrkraft früher oder später mit dem Gedanken spielt, der Welt zu entsagen und Mönch oder Nonne zu werden.

Als ich meinen ersten Mathetest ansetzen musste, fragte ich einen meiner älteren Kollegen um Rat. Er empfahl mir, die Aufgaben nicht allzu schwer zu gestalten, denn wenn der Durchschnitt der Leistungen der ganzen Klasse nur zwischen 30 und 40 Prozent der Maximalpunktzahl liege, würde das die Schüler entmutigen. Sie bekämen das Gefühl, dass Mathe viel zu schwierig sei, und würden kapitulieren. Wäre umgekehrt der Test zu einfach und die Ergebnisse lägen im Schnitt bei 90 bis 100 Prozentpunkten, wäre die ganze Prüfung sinnlos.

Schließlich empfahl er mir, die Arbeit so anzulegen, dass nach Möglichkeit ein Durchschnitt von 70 Prozent erzielt würde. Dies motiviere die Schüler, ihr Bestes zu geben. Anhand der 30 Prozent, die falsch beantwortet wurden, würde ich erkennen können, woran es noch haperte, und das entsprechend in einer der nächsten Unterrichtsstunden aufarbeiten können. Bei der Prüfung ging es also letztendlich zu 70 Prozent um Ermutigung und zu 30 Prozent um Lernerfolg.

Später fiel mir auf, dass diese wunderbare Regel fürs Leben überhaupt gilt. Wenn Sie Ihre Prüfungen nur zu 30 bis 40 Prozent bestehen, werden Sie den Mut verlieren, vielleicht sogar depressiv werden und kapitulieren. Schneiden Sie dagegen immer mit 95 bis 100 Prozent ab, ist der Lernerfolg gering und Sie stagnieren. Entspricht Ihre Lebensbilanz jedoch den magischen 70 Prozent, haben Sie genug Erfolg, um motiviert zu bleiben, aber auch ausreichend Niederlagen, um weiterzulernen und als Mensch unaufhörlich zu wachsen.

SCHRAUBEN SIE IHRE ERWARTUNGEN RUNTER

Die 70-Prozent-Regel zeigt, warum wir vom Leben nie die vollen 100 Prozent erwarten sollten. Und, dass eine gelegentliche Niederlage völlig in Ordnung ist. Wenn Sie eine dreißigprozentige Misserfolgsrate einkalkulieren, werden Sie ein erfülltes, reiches Leben führen. Schließen Sie dagegen Niederlagen von vornherein kategorisch aus, wird Ihr Leben dermaßen stressig, von Angst erfüllt und durchgeplant sein, dass es bald gar keines mehr ist. Schrauben Sie Ihre Erwartungen also lieber auf 70 Prozent runter und fangen Sie an, das Leben zu genießen. So weit von Ahjahn Brahm

Perfektionismus oder zu hohe Erwartungen sind der Endgegner von Zufriedenheit. Das Leben ist nun mal nicht perfekt und ein Weihnachtsfest ebenso. Genaugenommen sind gerade die Sachen die schiefgehen, liebenswert. Folgendes Zitat stammt von meinem Sohn Bastian

"Entweder ist eine gute Idee oder eine gute Geschichte." - Bastian Beeker

Das ist eine sehr entspannte Sichtweise. Entweder klappt etwas und es war eine gute Idee oder es geht schief und dann ist es eine gute Geschichte. Und wer mag keine guten Geschichten?

Also mein Tipp: Beherzige für das Weihnachtsfest die 70 %-Regel. Habe keine zu hohe Erwartungen und kalkuliere ein, das dies oder jenes schiefgehen wird. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Liebe bedeutet, etwas so zu akzeptieren wie es ist. Perfektionismus ist das Gegenteil von Liebe, denn dadurch wird dein Herz dir selbst gegenüber und anderen.

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